Workshop-Wochenende mit Nawasabi

Vergangenes Wochenende hatten wir den Rigger Nawasabi aus Speyer zu Gast in Düsseldorf, um bei uns Workshops abzuhalten. Organisiert wurde das Ganze von Marcel, SchmerzRhythmus und Schmidts Katze, denen wir für dieses umfangreiche Engagement sehr dankbar sind!

Anbei folgt eine kleine Zusammenfassung des Wochenendes aus der Feder Nawasabis. Dafür und für die lehrreichen Workshops bedanken wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich!

 

Mein Wochenende beim Shibari-Club Düsseldorf

Schon im Sommer diesen Jahres trat „Schmidts Katze“ aka Jacqui aus Düsseldorf mit der Bitte an mich heran, doch mal für den dort ansässigen Fesselstammtisch einen Workshop zu gestalten. Ich war zunächst etwas verwundert, da ich doch recht weit entfernt wohne und der Meinung bin, dass es im Raum NRW viele gute Leute gibt, hab mich aber um so geschmeichelter gefühlt. Ich wusste bereits, dass die Mitglieder des Shibari-Club sehr engagiert sind und auch schon einige renommierte Leute wie z.B. Vinciens zu Gast hatten. Da man den ein oder anderen Fessler aus dem Raum Düsseldorf immer mal wieder wo trifft war ich mir auch des hohen technischen Niveaus und der auf mich zukommenden Herausforderung bewusst. Da Schmidts Katze mich gleich für dreierlei Kurse buchen wollte, gestaltete sich die Planung erst mal ein wenig zäh, da passende Räumlichkeiten für unterschiedliche Anforderungen gefunden werden mussten, aber im Oktober kam schließlich das ok. Wir haben die Kursinhalte noch mal besprochen und der Club hat damit begonnen die drei Veranstaltungen intern zu bewerben. Es hat nicht lange gedauert bis die Rückmeldung kam, dass fast alle drei Kurse bis auf wenige Plätze ausgebucht sind und so fuhr ich am letzten Freitag mit meinem Modell los. Untergebracht wurden wir privat, bei einem der Kursteilnehmer, der über ein recht luxoriöses Haus verfügt. Das Haus ist wirklich groß, verfügt über mehrere Suspensionpoints, sogar vorm offenen Kamin und uns wurde jeder Wunsch von den Augen abgelesen – anders kann man es nicht sagen. Vom Frühstück mit frischem Obst, Kaffee, verschiedenen Sorten Tee bis zu den spezielleren Essenswünschen des Modells, es war wirklich für alles gesorgt. Auch für eine Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre – und das ist bei einer privaten Unterbringung ja nicht unwichtig. Irgendwann ist man einfach aus dem Alter raus, wo man gerne mit der Isomatte in der Küche pennt. Nach einem herzlichen Willkommensabend am offenen Kamin starteten wir am nächsten Morgen auch gleich in den ersten Workshop, der ebenfalls dort – in eher privater Runde – mit vier Paaren statt fand. Auf dem Programm standen Yukimura-Techniken und alles rund ums Thema Emotionen. Dafür hatte ich – wie schon bei ähnlichen WS zuvor – vier Stunden mit kleinen Pausen anberaumt. Wer schon mal einen solchen Workshop geleitet hat, weiß, dass man bei diesen Inhalten sehr auf die Offenheit der Teilnehmer angewiesen ist. Wenn sich von den Kursteilnehmern die Mehrheit nicht „einlassen“ kann, sich ziert oder nicht fallen lassen kann erschwert das ungemein den Job. Hier war es nicht so. Alle Beteiligten waren sehr offen für neue Ansätze, für das Spiel mit Nähe, Distanz, Zeit – es war einfach toll. Ich wusste, dass ich bei den teilweise fortgeschrittenen Teilnehmern mit sehr gezielten Fragen rechnen muss und so entwickelte sich im Lauf der Stunden ein gemeinsames Arbeiten, Experimentieren und Erforschen, natürlich unter Anleitung und nach Fahrplan. Trotzdem muss ich sagen, dass ich manchmal überrascht wurde und mir auch einiges notiert habe, was ich nochmal überdenken möchte, neu recherchieren … es war also auch für mich durchaus befruchtend. Und so soll es ja sein. Zum Tagesabschluss haben wir nochmal das wunderschöne Haus vorm lodernden Kamin befesselt und ich hatte noch zu sehr später Stunde eine extrem heiße Semenawa-Session mit meinem Modell – und die Hitze kam nicht nur aus dem Kamin.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann zu einer Location, in der sich der Shibari-Club regelmäßig trifft. Hier waren für diesen Tag zwei Workshops angesetzt. Anfänger und Fortgeschrittene. Auch diese Location war toll. Natürlich nicht so intim wie der schicke Bungalow, aber gemessen an dem was man sonst so vorfindet wirklich schön. Der Raum war bereits mit bequemen Matten ausgelegt und nach und nach trafen auch schon die ersten Teilnehmer des Anfängerkurses ein. Nach der obligatorischen Begrüßung ging es dann auch schon los. Was soll man über einen Basisworkshop großartiges schreiben? In dem Fall fällt mir in der Tat was ein, denn es war für mich kleine Unterschiede zu meinen bisherigen Kursen zu bemerken. Die Teilnehmer hatte z.B. alle vernünftige Seile, waren durch die Bank gut vorbereitet und das ist nicht selbstverständlich für einen Kurs der bei Null anfängt. Durch die starke Gemeinschaft der Düsseldorfer, die regelmäßigen Trainings usw. hatte ich es gar nicht mit absoluten Neueinsteigern zu tun. Das hat mir meine Aufgabe natürlich sehr leicht gemacht. Jeder der Teilnehmer, hatte schon eine – wenn auch noch so kleine – Vorerfahrung, war auf seine Art also „gebreeft“ und wusste ungefähr was ihn erwarten wird. Normalerweise kümmern sich meine Modelle mit um die Teilnehmer, laufen die Reihen ab und schauen nach ob alle folgen können. Da das Modell aber eine Aushilfe war und Kate an diesem Wochenende nicht konnte, haben dies die weiter fortgeschrittenen Teilnehmer des Organisatoren-Teams übernommen. Ich war da erst ein wenig skeptisch, ob das funktionieren würde, aber da gab es gar nichts zu beanstanden. Erstens waren die Hilfestellungen kompetent und detailliert und zweitens zu keiner Zeit aufdringlich. Die haben selbst drauf geachtet mit welcher Hand die Cinches gepullt werden – da war ich baff. Meistens wurde ich sowieso dazu gerufen, so wie das eben bei einer Assistenz sein soll. Das war eine sehr angenehme Erleichterung.

Der Fortgeschrittenenworkshop startete ca. 40 Minuten nach dem Anfängerkurs und hier merkte ich zum ersten mal, dass mir etwas die Kraft schwindet. Nach einer recht kurzen Nacht, vier Stunden Workshop am Vortag und den vier Stunden an diesem Tag, war ich doch etwas ausgelaugt. Der Mix an interessanten Teilnehmern hat mich aber schnell wieder wach werden lassen und so starteten wir in Runde 2. Nach einer nun etwas strengeren Ansprache an die Fortgeschrittenen ging es los mit einer kurzen Wiederholung der TK2 um dann auch gleich mit dem dritten Seil zu beginnen. Hajime! Die Teilnehmer konnten – nicht zuletzt wegen der Assistenz des Orgateams – gut folgen, sodass es richtig Spass gemacht hat auch noch auf Aspekte wie das Urawaza einzugehen – was ich sonst eigentlich nicht an dieser Stelle mache. Die reine Technik ist ja oft erst mal Herausforderung genug. Mir kam das auch insofern zu Gute, dass ich meinem Modell auch ab und an mal etwas Energie und Zuwendung durch Demonstration solcher Techniken geben konnte. Das hält die Müdigkeit im Zaun und gibt Kraft. Überhaupt gab es immer mal wieder Lücken zum Blödeln und Flachsen und das gehört ja auch zu einem Kurs. Nach dem wir das vorgesehene Programm durchlaufen hatten blieb noch etwas Zeit für eine Hishifesselung im Kanna-Style und während mir langsam die Kraft schwand waren die Teilnehmer alle noch recht munter. Ich schätze der ein oder andere hätte auch noch den letzten Zehen seiner Partnerin mit reingefesselt wenn ich es vorgemacht hätte, aber das hätte auch thematisch zu weit geführt. So ging nach vier weiteren Stunden auch der Fortgeschrittenen-Kurs zu Ende und ich war selten so „platt“, aber auch gelöst und glücklich.

Ich konnte leider nicht mehr zum anschließenden Fesselabend bleiben, da ich noch fast vier Stunden Fahrt nach Hause vor mir hatte. Auch an dieser Stelle wurde mir wieder herzlich eine Übernachtung angeboten, die ich leider ausschlagen musste, da zu Hause eine kranke Partnerin auf mich wartete. Ich werde das beim nächsten mal gerne annehmen. Ich hab mich selten – speziell wenn privat untergebracht – so herzlich umsorgt gefühlt und war wirklich zu Tränen gerührt als ich losgefahren bin. Auf der Autobahn war es neblig und ich konnte nicht schnell fahren. Ich hab die Zeit genutzt um noch mal alles Revue passieren zu lassen. Es war einfach ein fantastisches Wochenende. Im Nachhinein hab ich noch jede Menge liebe Mails und Nachrichten von den Veranstaltenden und auch von Teilnehmern bekommen, was mich natürlich sehr gefreut hat. Ich werde die Düsseldorfer sehr vermissen, da ich mich eher zu Gast bei Freunden als auf Workshop-Tour gefühlt habe. Wieso schreibe ich das überhaupt? Sicher nicht um drauf hinzuweisen, dass ich da tätig war, das kann man auch auf Facebook lesen. Nein, mir ist es wichtig auf diese Gruppe aufmerksam zu machen. Wir alle reden immer davon, wie wichtig es ist selbst aktiv zu werden, wenn in einer Region keine Community vorhanden ist. Man muss schon selbst dafür sorgen das Shibari-Brachland zu beackern und das haben die Jungs und Mädels dort getan, bzw. tun es kontinuierlich. Mit viel Engagement, Hingabe und Spass an der Sache. Ich sehe den Shibari-Club Düsseldorf als ein Paradebeispiel für eine Rope-Community. Was mit wenigen Teilnehmern unter freiem Himmel im Volksgarten begonnen hat, hat sich zu einer sehr großen Gemeinschaft entwickelt, die den Nachwuchs fördert, die Workshops organisiert, gute Leute holt, ein großes Fesseltreffen aufgebaut hat – alles ohne finanzielles Interesse, aus Hingabe und Leidenschaft. Ich finde das sehr unterstützenswert und kann nur jedem Lehrenden empfehlen eine Einladung anzunehmen.




Bild: Alan (SCD), cc0

 

Alan

Theoretisch bondagebegeistert seit anno dazumal. Beim SCD seit Juni 2013. Seilbegeistert seit kurz darauf. Homepageschreiberling von Ende 2013 bis August 2017.