Intermediate Intensive Class bei Riccardo Wildties

Nachtrag: Dieser Beitrag wurde ursprünglich von SimplyShe verfasst.

Mitte November besuchten SchmerzRhythmus und ich den Workshop „Intermediate Intensive“ in Rom, gehalten von Riccardo (Wildties) und seinem Modell Alessandra (Redsabbath).

Die Workshop-Teilnehmer kamen aus den USA, UK, Israel, Tschechien, Frankreich, Italien und Deutschland und so war die Umgangssprache Englisch. Wir waren insgesamt 14 Paare.

Am ersten Tag lernten wir den technischen Aufbau einer TK2 nach Naka Akira und das erste, was wir in unseren Köpfen wieder auffrischten, war der Respekt vor dem Seil. Der Respekt davor, dass sich das Modell in die Hände des Riggers begibt, quasi sein Leben in seine Verantwortung gibt, der Respekt davor mit dem Seil zu kommunizieren und es nicht nur als Mittel zu Zweck zu sehen.
Eine TK2 nach Naka Akira mutet vielleicht rein optisch simpel an, aber tatsächlich gibt es zig sehr entscheidende und wichtige Details im Aufbau zu beachten. Dadurch, dass die meisten Suspensions bei Naka mit Torsion arbeiten, der Körper des Modells also in der Luft in sich verdreht wird, ist es elementar wichtig, dass die TK exakt sitzt, perfekte Spannungsverhältnisse auf der ersten und zweiten Lage hat und sich kein einziger Fehler im „Rope-Placement“ eingeschlichen hat. Dadurch, dass die Hände zudem in einer echten Takate-Kote-Position – also mit hohen hinter dem Rücken gekreuzten Händen – gebunden wird, und die Handschlaufe absichtlich sehr eng gebunden wird, kommt es bei schlechter technischer Ausführung der TK sonst schon nach wenigen Sekunden zu eingeschlafen Händen.
Bei guter technischer Ausführung ist die Position mit hohen Händen tatsächlich komfortabler als eine Box-Tie-Armhaltung und hat außerdem den Nebeneffekt, dass der Oberarm weiter verdreht wird und die sensiblen Abschnitte des Nervus Radialis weniger verletzlich auf der Außenseite des Oberarms liegen.


Nach einer intensiven Fessel-Einheit am Vormittag gab es eine Stunde Mittagspause und der Nachmittag begann wie jeden Tag damit, dass wir Ästhetik-Studien betrieben und uns intensiv mit japanischer Ästhetik auseinandersetzten. Von der „natural beauty“ und traditioneller japanischer Handarbeit ausgehend, über Bonsai-Bäume, Malerei, bis hin zu Wabi-Sabi und Ma haben wir versucht ein Gespür für die ganz andere Ästhetik der Japaner zu bekommen. Wir studierten Bildmaterial von Ittu Seiyu, Naka Akira und verglichen Fotos von Fesselungen bei denen die Modelle in S-Pose stehen mit solchen, bei denen sie sehr gerade stehen/hängen.

An Tag 2 lernten wir verschiedene Methoden ein drittes Seil an der TK2 anzuknüpfen mit jeweils unterschiedlichen Funktionen. Teilweise atemreduzierend, teilweise die Brust einschnürend oder aber am Hals eng anliegend erkannten wir, dass das dritte Seil vor allem eins sein soll: Funktional.
Wir lernten die „Leg-Lacing“-Fesselung der Unterschenkel und einen Hüftgut mit zusammengebundenen Oberschenkeln.
Verschiedene Suspension-Formen wurden getestet, dabei gibt es aber immer nur zwei Suspension-Lines, das Modell hängt also nie an mehr als zwei Seilen. Alle anderen Seile sind nur Zierde oder zur Qual des Modells. Für uns neu war das Arbeiten am Bambus und wir lernten viele verschiedene praktische und schnelle Techniken um das Tsuri-Seil am Bambus zu befestigen.

Nach der Ästhetik-Einheit am Nachmittag wagten wir uns an die bekannteste KinbakuLuXuria Suspension, eine Vertikale Position, mit einem seitlich ausgestreckten Bein das ganz nah an die Schulter gebunden ist. Das andere Bein hängt mit einem Futumomo. Dabei hängt das ganze Körpergewicht an der TK, es ist also eine sehr anspruchsvolle Position.

Am dritten Tag lernten wir noch zusätzliche Seile einzubauen, wie z.B. ein Schrittseil oder ein Seil dass direkt unter dem Brustkorb sitzt und die Atmung einschränkt. Wir trainierten den fließenden Übergang in die Torsion in der Suspension und sollten unsere Energie investieren mit viel Gefühl zu fesseln, das Seil wirklich als Kommunikation anzusehen, Ki und Ma fließen zu lassen und intensiv zu fesseln. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine einfache TK2 ausreichen kann mich zum weinen zu bringen.

Riccardo ist ein strenger aber didaktisch sehr guter Lehrer. Er argumentiert seine Erklärungen tiefgehend und umfassend.

Die Tage waren schön und sehr lehrreich!






Bild: Martin Lopatka, bearbeitet von Alan (SCD), CC-BY-SA 2.0

Alan

Theoretisch bondagebegeistert seit anno dazumal. Beim SCD seit Juni 2013. Seilbegeistert seit kurz darauf. Homepageschreiberling von Ende 2013 bis August 2017.