Bericht über den Mini-Workshop zu Anatomie und Sicherheit im Bondage-Kontext

Nachtrag: Dieser Beitrag wurde ursprünglich von SimplyShe verfasst.

Am 19.10.2014 fand ein Mini-Workshop für unsere Mitglieder statt, in dem es vorrangig darum ging, Grundwissen zur Anatomie und Physiologie der Nerven und zu Erster Hilfe im Bondage-Kontext zu vermitteln.

Den Teilnehmern wurde im ersten Block des Workshops der Rope Bondage Incident Survey von Guilty aus 2014 vorgestellt. Zum einen, weil diese Studie die einzig existente im Kontext von Shibari und Unfällen ist und zum anderen, um zu verdeutlichen, dass einige gängige Mythen wie der Grundsatz „Je leichter das Modell ist, umso weniger unfallgefährdet ist es“ zu widerlegen. Die Studie eignete sich zudem, um aufzuzeigen, dass Rigger ihr Wissen größtenteils autodidaktisch erworben haben, weshalb weitergegebenes Wissen stets kritisch reflektiert werden sollte. Außerdem konnten die häufigsten Unfallarten und zusätzlich der mögliche sozial-emotionale Effekt eines Unfallgeschehens auf das betroffene Paar dargestellt werden.

Die Studie wurde im Anschluss hinsichtlich ihrer Methodenauswahl und generalisierten Anwendbarkeit kritisch diskutiert.

Im zweiten Block lernten die Teilnehmer den biologisch-physiologischen Aufbau und die Funktion einer Nervenzelle. Ihnen wurde gezeigt, dass ein durch Bondage komprimierter Nerv eine beschädigte Myelinschicht hat und die Signalübertragung, beispielsweise vom Nerv zum Muskel, deshalb nur eingeschränkt oder gar nicht mehr funktioniert. Der Vergleich zu einem Kabel mit beschädigter Isolierschicht, welches fortan schlechter leitet, wurde als Merkhilfe heran gezogen.

Die verschiedenen Symptome eines Nervenschadens sensibler und motorischer Natur, sowie die Krankheitsbilder Fallhand, Schwurhand und Krallenhand wurden in Ursache, Symptomatik und Diagnostik besprochen.

Wichtige zu beachtende Regeln in der Nachsorge eines Nervenschadens, wie das einhalten einer Ruhepause bis zur vollständigen Abheilung konnten vermittelt werden.

Der dritte Teil führte die Teilnehmer in die Praxis und zeigte ihnen Körperstellen, anhand derer sie sich den groben Verlauf der Nerven einprägen sollten. Zur besseren Vertiefung malten sich die Teilnehmer die Nervenverläufe gegenseitig auf die Haut und fesselten darüber eine Standard-TK2. Eine ausführliche Analyse möglicher Gefahrenzonen mit Hilfe der aufgemalten Nervenbahnen unter der TK und die Besprechung von Möglichkeiten, diese Gefahrenzonen zu umgehen zeigte sich als sehr hilf- und lehrreich.

Im vierten und letzten Teil ging es um Vorerkrankungen, die eine besondere Vorsicht beim Bondage erfordern. Die Relevanz von Atemwegserkrankungen, Herzerkankungen, neurologischen Schäden und anderen konnte verdeutlicht werden. Die unterschiedlichen Arten einer Ohnmacht wurden erläutert und praxisnah das Vorgehen bei einem Ohnmachtsanfall während einer Bondage-Session erläutert. Stabile Seitenlage und Schocklage wurden voneinander unterschieden und der jeweilige Anwendungsbezug hergestellt. Abschließend wiederholten die Teilnehmer das Notfallschema „Auffinden einer Person“ mit Wiederholung der Reanimationsregeln.






Nachtrag: Dieser Beitrag wurde ursprünglich von SimplyShe verfasst.
Bild: Alan (SCD), cc0

Alan

Theoretisch bondagebegeistert seit anno dazumal. Beim SCD seit Juni 2013. Seilbegeistert seit kurz darauf. Homepageschreiberling von Ende 2013 bis August 2017.